Produktsicherheitsbeauftragte/r - Kein trivialer Job

20.01.2017, Trossingen

 

Die Bezeichnung klingt sperrig: Produktsicherheitsbeauftragter (PSB) bei Lieferanten. Doch das sollte einen nicht vom Blick auf die Details abhalten. "Die Verantwortung wird damit in der Lieferkette weitergereicht", resümiert Alexander Gackowski, Vorstandsvorsitzender des Zerspanungsinstituts Südwest, (ZISW) die Entwicklung.

Konkret geht es um die Forderung des VW-Konzerns, jeder (!) Zulieferer müsse einen solchen Sicherheitsbeauftragten installieren. Mehr noch als der bekannte Qualitätssicherheitsbeauftragte ist die neue Stelle für alle Belange der Produktion verantwortlich: Das reicht von detallierten Kenntnissen über das jeweilige Produkt samt gesetzlichen Vorgaben bis hin zur Risikobewertung. Gackowski: "Das Unterfangen ist nicht trivial, da der Sicherheitsbeauftragte beispielweise Gesetzesänderungen in allen Ländern im Auge haben muss, in denen das gelieferte Teil zum Einsatz kommt." Hinzu kämen regelmäßige Überprüfungen internationaler Behördenportale zwecks präventiver Produktbeobachtung.

Wer sich nun vor Augen führt, dass hierbei tatsächlich jedes Bauteil gemeint ist und aufgrund der Strukturen in der Produktionskette oft gar nicht bekannt ist, wo welches Teil eingebaut wird, dann zeigt allein dieser Aspekt: Gerade kleine und mittlere Firmen stoßen hier schnell an Grenzen.

Noch ein weiteres Detail stellt eine Herausforderung dar: Für jede Produktionsstätte muss ein eigener PSB bestellt werden, der dann ständig während der Produktionszeit verfügbar sein muss - im Zweifel also rund um die Uhr. "Rechnet man dann noch Urlaubszeiten hinzu, erkennt man schnell: Der Personalbedarf für die neue Anforderung ist nicht zu unterschätzen", so Gackowski. Eine weitere Besonderheit: Es gibt keinen Stichtag. Sprich, wenn der Ernstfall mit einem beanstandeten Bauteil eintritt, dann will der Konzern den PSB ansprechen können. Egal ob in vier Wochen oder erst in fünf Jahren. Gackowski: "Daraus ergibt sich ein besonderer Handlungsdruck."

Das ZISW führt für die Mitglieder entsprechende Schulungen durch, um PSB rechtssicher in den Firmen zu verankern. Zudem wurde ein Arbeitskreis innerhalb der ZISW gegründet, welcher den aktiven Austausch und die Unterstützung der Firmen auf dem Weg der Implementierung des PSB untereinander fördert. "Wir sind auch offen, wenn andere Unternehmen anfragen", so der Vorstandschef. Denn der Druck wird weiter zunehmen, ist sich Gackowski sicher: "Die ISO 9001 galt zunächst auch nur für den Automobilbereich, heute ist es der branchenübergreifende Standard." Und bei anderen Automobilkonzernen laufen Vorbereitungen, ebenfalls Produktsicherheitsbeauftragte einzufordern - nur heißen die dann eben anders.

 

 

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